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Seit dem Erscheinen seiner «Briefe über ein schweizerisches Hirtenland« (1781) hatte Bonstetten als deutsch- und französischsprachiger Schriftsteller ein Renommee, das nie gänzlich verblasst ist. Einige seiner grösseren Essays wurden unverzüglich ins Französische bzw. ins Deutsche übersetzt, ja, sein Essay »L'homme du Midi et l'Homme du Nord« erschien noch viele Jahre nach seinem Tod erstmals in einer englischen Übersetzung (New York 1864). - In den vergangenen 30 Jahren wurden folgende Titel in der Originalsprache wieder aufgelegt: »Voyage sur la scène des six derniers livres de l'Enéide« (1976), »Briefe über die italienischen Ämter« (1982), »L'homme du Midi et l'homme du Nord« (1992), »Souvenirs écrits en 1831« (1991), »La Scandinavie et les Alpes« (1994). Seine Briefe über das Tessin und seine »Souvenirs« erschienen in kommentierten Übersetzungen: »Lettere sopra i baliaggi italiani« (1984), »Ricordi di un cosmopolita« (1994).

Bonstettens Schriften zeugen von seinem »art de l'observation« ebenso wie von seinem »art de conversation«. Ein 'Liberaler' der ersten Stunde, hatte er die Nase stets weit vorn; und was er auf seiner langen Lebensreise erfahren hatte, konnte er so unbefangen, klug und bezaubernd erzählen, dass man ihn im höheren Alter aus aller Welt aufsuchte. Seine im Studium mit Charles Bonnet geschärfte Aufmerksamkeit für alles, was ihm in seiner politischen Laufbahn und auf seinen weiten Reisen durch Europa vor Augen kam, schlägt sich in seinen Schriften, nicht anders als in seinen Briefen, in einem modern anmutenden 'Phänomenismus' nieder.

Die Edition der BONSTETTIANA beachtet die enge Verflochtenheit von Briefkorrespondenzen und Bonstettens Schriften. Die Reihe der Korrespondenzen (violette Reihe) und die Reihe der Schriften (rote Reihe) sind chronologisch sowie in der Kommentierung aufeinander abgestimmt. Für beide Reihen gelten dieselben historisch-kritischen Editionsgrundsätze. Die Schriftenreihe erschliesst jedoch den überlieferten Bestand an Publikationen und Manuskripten nach dem Kriterium der Dringlichkeit: Die Edition bisher unbekannter, in Bonstettens Handschrift überlieferter Werk- und Aufsatzentwürfe sowie der Wiederabdruck von bekannten Essays, deren Textstatus historisch-kritisch nachprüfbar ist, erscheint dringlicher als eine Wiederauflage von veröffentlichten Essays mit zweifelhaftem Textstatus. In Bonstettens Nachlass warten manche interessante Textfragmente und ganze Buchentwürfe auf eine Erschliessung, u.a. ein »Voyage dans le Midi de la France« (1810) und Essays unter den Titeln »Mémoire«, »Intelligence« usw. Der Essay »Pensées sur divers objets de bien publique« (1815) kann nach dem Leseexemplar Sainte-Beuve's mit dessen Randnotizen wiedergegeben werden.

 

last update: 06.03. 2005